Cultural Experiences

Mittlerweile lebe ich schon 6 Monate in Costa Rica und habe daher schon einige kulturelle Erfahrungen hinter mir. Über diese werde ich in diesem Blogeintrag berichten.

Anfangs hatte ich Mühe die Kultur zu verstehen. Ich verstand die Sprache nicht, so konnte ich die Absichten der Leute auch nicht klar deuten. Es kam vor, dass ich in einem Laden einkaufte und die Verkäuferin mich fragte wies mir geht und von wo ich denn herkomme. Ich als Schweizerin hatte damals noch bedenken, meine Nationalität preis zu geben. In den Köpfen von vielen Ausländer sind wir Schweizer halt alle  steinreich. Jedoch habe ich mittlerweile gelernt, dass Ticos sehr interessiert an anderen Ländern sind und einfach gerne kommunizieren. Man redet mehr miteinander, egal ob man sich kennt oder nicht. Viele Ticos hiessen mich hier Willkommen als ich neu ankam. Ich würde mal behaupten, in der Schweiz sind Ausländer nicht so willkommen.

Als ich in meine Gastfamilie kam, fand ich einige Dinge speziell. Beispielsweise verbringt meine 40-jährige Gastschwester und ihr Sohn jede freie Sekunde in unserem Haus, also dem Haus ihrer Mutter. Sie gehen nur zum Schlafen nach Hause. Grundsätzlich verlässt meine Familie das Haus eher selten. Mir wurde daraufhin erklärt, dass Familie das Wichtigste ist. Man verbringt viel mehr Zeit zu Hause mit der Familie als mit Freunden. Das zu Hause ist wie die Basis des Lebens. Jeder besitzt ein Haus und wohnt dort mit der ganzen Familie. Kinder ziehen erst aus, wenn sie verheiratet sind. So wohnt meine 36-jährige unverheiratete Gastschwester noch zu Hause. In vielen Familien kommen am Wochenende Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen etc. auf Besuch und die ganze Familie isst zusammen.

Da wären wir auch schon beim Essen. Ich empfand essen als sehr wichtigen kulturellen Bestandteil. Es gibt normalerweise 3 mal täglich eine warme Mahlzeit. Kaum zu glauben für uns Europäer aber meistens bestehen die 3 grossen Tagesmahlzeiten hauptsächlich aus Reis und Bohnen. Mittags und abends gibts Beilagen dazu wie Salat, Kochbananen und Fleisch. Die Mutter verwöhnt die Familienmitglieder gerne mit Spezialitäten, wobei kochen grundlegend ist. Der Albtraum jeder Tico-Mutter: man mag das Essen nicht! Obwohl die Gerichte sehr einfach und überhaupt nicht abwechslungsreich sind, fand ich die traditionelle Küche sehr lecker. Ich gewöhnte mich schnell daran, immer das gleich zu essen und es stört mich auch nicht. Ich vermisse nur gutes Brot und Salatsauce.

Reis, Bohnen, "Fleischtorten", traditioneller Tomaten-Salat, Gemüse

Reis, Bohnen, „Fleischtorten“, traditioneller Tomaten-Salat, Gemüse

Der typische Ausdruck „Pura Vida“ ist definitiv Programm in Costa Rica. Verglichen mit der Schweiz haben die Leute wenig Geld. Man spricht auch offen darüber. Viele  Ticos werden nie die Gelegenheit haben, aus Zentralamerika raus zu kommen. Was mich verwunderte: es stört eigentlich keinen. Man ist glücklich mit einem gemütlichen Leben in der Gegend wo man aufgewachsen ist. Solange man mit dem verdienten Geld die Familie ernähren und sich ab und zu was leisten kann, ist die Welt in Ordnung. Wieso eigentlich nicht? Braucht es wirklich so viel mehr für uns Schweizer um glücklich zu sein?

Die Costa Ricanische Kultur ist stark geprägt von der Religion. Rund 90% der Ticos sind Christen. Religion ist überall präsent. In der Schule werden christliche Lieder gesungen und gebetet, praktisch in jedem Haushalt hängen Jesus-Bilder und Kreuze, jedes kleine Dorf hat eine Kirche und im Radio werden christliche Songs gespielt. Für mich war das etwas speziell. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass in einer öffentlichen Schule in der Schweiz gebetet wird. Es würde immer Kinder geben, die ohne oder mit einer anderen Religion aufwachsen. Ich finde es einerseits schön, da die Religion dem Volk ein gewisses Zusammengehörigkeits-Gefühl gibt. Auf der anderen Seite hatte ich den Eindruck, dass andere Religionen oder auch Ungläubige von vielen nicht so offen empfangen werden. Falls wir nicht an Gott glauben, sollen wir dies dementsprechend nicht direkt ansprechen, wurde uns Volontären anfangs empfohlen. Ich empfinde diese Kultur daher auch als etwas konservativ. By the way, es gab da noch andere erwähnenswerte Beispiele zum Thema konservative Einstellung: Ich musste mein Nasenpiercing herausnehmen, da es einen schlechten Eindruck auf die Eltern der Kinder im Kinderhort machen könnte. Viele Ticos sind der Meinung, dass Tattoos etwas für asoziale sind. Kurze Hosen tragen bei 35 Grad finden viele zu aufreizend. Jedoch sind das meistens nur Gedanken. Ticos sind überhaupt nicht direkt und würden einer fremden Person nie etwas negatives ins Gesicht sagen.

Wie in jedem lateinamerikanischen Land spielen Tanz und Musik eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Ich habe einige Male einen Zumba-Kurs besucht und fühlte mich wie ein Stein unter all den hüftschwingenden Tanz-Göttern. Man spürt richtig, dass die Ticos mit dem Tanzen Lebensfreude ausdrücken. Praktisch alle tanzen und hören Salsa, Merengue oder Bachata. Oder auch Reggaeton ist beliebt bei jung und alt. Traditionelle Musik ist also auch für junge noch angesagt. Meiner Meinung nach etwas, was die Ticos sehr stark verbindet und uns Schweizern fehlt.

Es gäbe noch so viele kulturellen Erlebnisse, jedoch möchte ich mich kurz fassen. Euch soll ja nicht langweilig werden beim Lesen. Was ich unbedingt noch erwähnen möchte: Mit diesen teilweise etwas krassen Beispielen zeige ich die Lebens- und Denkweise von extrem traditionellen Ticos. Es gibt natürlich in jeder Kultur auch anders Denkende.

Mein Résumé fällt sehr positiv aus. Besonders gefällt mir wie man sich hier um die Mitmenschen sorgt. Mir wurde vom ersten Tag an, das Gefühl vermittelt voll und ganz dazu zu gehören. Man war offen, wollte mich und meine Kultur kennenlernen und mich Teil der Familie und der Costa Ricanischen Kultur werden lassen. An Aufmerksamkeit und Liebe fehlte es mir daher nie, und das ist doch die Grundlage um sich zu Hause zu fühlen.

Für mich selber habe ich gelernt, dass anders nicht gleich schlecht ist. Man muss sich Zeit nehmen und vor allem offen sein, damit man versteht wieso die Leute sind wie sie sind und tun was sie tun. Diese kulturellen Erfahrungen werden mein Denken und meine Einstellung bestimmt prägen.

 

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Cultural Experiences

  1. Seitdem aus meiner family jemand zu einem Schüleraustauch in Costa Rica war, verfolge ich vieles, was mit diesem schönen Land zu tun hat. Den Blog damals habe ich regelmäßig gelesen und einen guten Einblick in Land und Leute bekommen. Nun alle seit ein paar Monaten wieder daheim. Schön, dass ich nun hier weiter lesen kann. Interessant geschrieben. Bitte mehr. Effi von Blogspione

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s