My work

Ich arbeite seit Ende September in einem Kinderhort 20 Gehminuten von meinem zu Hause entfernt. Als ich da angefangen habe, fühlte ich mich ein bisschen wie ein Alien. Alles läuft hier anders! Verstanden habe ich kaum etwas und konnte dementsprechend nicht viele Aufgaben übernehmen. Ich habe immer verglichen, wie es in der Schweiz läuft und fand, dass wir vieles besser machen. Beispielsweise fand ich es unvorstellbar, dass man in einem Kinderhort 3 Stunden TV schaut pro Tag. Oder dass es jeden, ja wirklich jeden Tag, Reis und Bohnen mit Beilagen zum Mittagessen gibt. Alle Mitarbeiterinnen waren sehr freundlich, hatten aber meistens Angst ich verstände nichts und mieden deshalb das Gespräch. Da ich noch nicht so viel mithelfen konnte, hatte ich sehr viel Zeit für mich. Diese Zeit nutzte ich um Spanisch zu lernen. Ich schrieb mir wichtige Wörter und Sätze raus und lernte mit Karteikärtchen – teilweise praktisch den ganzen Tag. Im Nachhinein bin ich wirklich froh um diese Chance, da ich so die wichtigsten Basics lernen konnte.

Die Kinder in meiner Gruppe waren alle 4-jährige und super süss. Die meisten verstanden nicht wirklich, dass ich eine andere Sprache spreche und redeten einfach darauf los. Dafür war ich sehr dankbar, da ich so auch viel nützliches aufschnappen konnte. Wenn ich einem Kind sagte, dass ich nichts verstanden habe, sprach es einfach lauter und dachte ich verstehe es akustisch nicht. Irgendwann sagte ich dann einfach „Sí, „.

Nach etwas mehr als einem Monat fiel mir plötzlich auf, wie gut ich mittlerweile schon sprach. Ich war auch nicht mehr so scheu und suchte zu Hause und in meinem Projekt immer wie mehr das Gespräch. An den Arbeitsalltag hatte ich mich langsam gewohnt und konnte so die Gruppenleiterin sehr gut unterstützen. Meine Mitarbeiterinnen freuten sich auch über meine Fortschritte – endlich fühlte ich mich wie ein Teil des Teams. Bei ausserordentliche Anlässen, wie Mitarbeiterausflügen, wollten sie mich dabei haben. Und auch während dem Arbeiten verstand ich mich mit allen sehr gut.

Zu den Kindern habe ich mittlerweile eine sehr gute Beziehung. Anfangs war es schwer, als Vertrauensperson aufzutreten. Ich konnte den Kindern nicht mal sagen, dass sie beispielsweise aufhören sollen Dinge rum zuschmeissen. Ich wusste die Wörter einfach nicht. Dies habe ich gelernt, indem ich den anderen Mitarbeiterinnen zugeschaut und -gehört habe. Die Kinder akzeptieren mich jetzt voll und ganz als „Niña“ (so werden die Leiterinnen genannt).

Mit der Zeit fängt man an, nicht immer alles in Frage zustellen, wieso Dinge anders gemacht werden. Es wird zur Normalität und man akzeptiert es. Man freut sich eher über Dinge, die man besser macht in Costa Rica. Mir gefällt zum Beispiel die Umgangsweise mit den Kindern sehr gut. Jeden Morgen wenn ich in die „Guarderia“ (=Kinderhort auf Spanisch) komme, freuen sich alle Kinder mich zu sehen. Ich mich natürlich auch, und deshalb gibt es zuerst mal für alle die wollen eine Umarmung. Die Kinder werden von allen Mitarbeitern liebevoll „Mi Amor“ oder „Mi Vida“ genannt, was soviel wie „Meine Liebe“ oder „Mein Leben“ heisst. Obwohl wir zu zweit eine Gruppe von 25 Kindern betreuen, fühlt es sich trotzdem so an, als ob wir zu jedem Kind eine persönliche Beziehung haben. Da viele Kinder in der „Guarderia“ aus ärmlichen und teilweise nicht einfachen Familienverhältnissen kommen, sind wir wie eine Ersatzfamilie. Als ein Kind das erste mal „Te quiero“ (= Ich mag dich) zu mir gesagt hat, war eines der schönsten Erlebnisse.

Auch die Weihnachtszeit haben wir mit den Kindern gefeiert, aber natürlich auf eine andere Art. Am letzten Tag veranstalteten wir den „Día de la alegría“ (= Tag der Freude). Ein Clown ist aufgetreten, es gab eine Hüpfburg und für alle Zuckerwatte und Granizado (Eis-Spezialität). Jedes Kind erhielt von der „Guarderia“ ein Spielzeug-Geschenk und neue Schuhe. Meine Mitarbeiterin erklärte mir, dass diese Geschenke vom Staat finanziert wurden. Der Staat finanziert nämlich ein ziemlich grosser Teil der „Guarderia“, da sich die meisten Eltern nicht mal den günstigen Monatsbeitrag leisten können. Ich finde es schön, kriegt so jedes Kind ein Weihnachtsgeschenk.

Nächstes Jahr werde ich eine neue Gruppe betreuen. Ich vermisse meine Kinder jetzt schon, freue mich aber sehr auf die bevorstehenden 4 Monate im 2016 in der „Guarderia“.

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Meine Guarderia

Von den Kindern darf ich keine Fotos machen.

 

 

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Exploring Costa Rica Part 1

In diesem Blogeintrag möchte ich von meinen ersten Kurztrips erzählen. Kaum bin ich Mitte September in meiner definitiven Gastfamilie in Palmares angekommen, plante meine Gastschwester schon unseren ersten Ausflug. Sie freute sich sehr durch mich ihr Heimatland auch neu entdecken zu können. Ticos reisen nämlich erstaunlicherweise wenig im eigenen Land herum. So wie ich hörte, besuchen die meisten die naheliegenden Strände nur 1 – 2 Mal jährlich. Wir fuhren also zusammen mit einer Tica-Freundin zum  Nationalpark und Strand Manuel Antonio.

Dieses Erlebnis war für mich überwältigend. Noch nie zuvor habe ich so einen wunderschönen Strand gesehen, vor allem bei Sonnenuntergang. Auch die Begegnung mit all den frei lebenden Tieren im Nationalpark war völlig neu und beeindruckend. Ich sagte mir, dass ich in meiner Zeit in Costa Rica sicher nochmals auf Manuel Antonio zurückkommen werde.

Sonnenuntergang Playa Espadilla

Sonnenuntergang Playa Espadilla

Mono Cara Blanca

Mono Cara Blanca

Playa Manuel Antonio

Playa Manuel Antonio

Zwei Wochen später besuchte ich mit meiner Volontär-Gruppe den bekannten Baldi-Spa neben dem aktiven Vulkan Arenal. Den Samstag verbrachten wir in den heissen natürlichen Quellen des Vulkans. Am nächsten Tag konnten wir im naheliegenden Nationalpark einen super Blick auf den Vulkan erhaschen. In der Gruppe verstanden wir uns blendend. Alle verfolgen in Costa Rica das gleiche Ziel und möchten so viel wie möglich erleben – das schweisst zusammen.

internationale Volontär-Gruppe

internationale Volontär-Gruppe

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Vulkan Arenal

Nach diesem gelungenen Wochenende planten wir zwei Wochen später ein weiteres gemeinsames Wochenende. Diesmal fuhren wir an den Strand von Tamarindo. Tamarindo ist ein bekannter und dementsprechend sehr touristischer Surfer-Strand. Die Übernachtung im Backpacker-Hostel war sehr günstig und mal was ganz anderes, da man so ganz einfach neue Leute kennenlernt. Mit zwei anderen Backpackern gingen wir abends noch aus in eine Bar. Notiz an mich: Reisen als Backpacker ist günstig, unkompliziert und macht Spass – kommt auf meine To-Do-Liste!

Surfen habe ich leider noch nicht gelernt, werde ich in Costa Rica aber sicher mal ausprobieren.

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Strand Tamarindo

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Hostel-Life